Neurodivergenz
Unter dem Begriff Neurodivergenz versteht man Unterschiede in der Art, wie Menschen denken, fühlen und die Welt wahrnehmen.
Wir bieten Diagnostik und Therapie für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und aus dem Autismus-Spektrum an. Unser Ziel ist es, neurodivergente Menschen und ihre Familien dabei zu begleiten, die eigenen Stärken zu entfalten und hilfreiche Strategien im Alltag zu entwickeln.
ADHS
ADHS zeigt sich oft in Konzentrationsschwierigkeiten, impulsivem Verhalten oder innerer Unruhe – kann aber auch mit Kreativität, Spontaneität und hoher Energie verbunden sein.
Autismus-Spektrum
Autismus geht meist mit Besonderheiten in der sozialen Kommunikation, speziellen Interessen oder sensorischen Empfindlichkeiten einher und bringt gleichzeitig Stärken wie Detailgenauigkeit, Ausdauer und eine klare Logik mit sich.
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS): Eine Entwicklungsbesonderheit, die nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft
ADHS gehört zu den häufigsten neurobiologischen Besonderheiten und zeigt sich in unterschiedlichen Lebensphasen auf verschiedene Weise. Lange galt ADHS als „Störung des Kindesalters“. Heute weiß man: Auch viele Erwachsene sind betroffen, oft ohne dass die Diagnose bislang gestellt wurde.
Typische Merkmale von ADHS
Die zentralen Symptome der ADHS bei Erwachsenen entsprechen denen bei Kindern und Jugendlichen:
- Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren, Aufgaben zu Ende zu bringen oder den Überblick zu behalten.
- Hyperaktivität / innere Unruhe: Bei Kindern häufig durch Bewegungsdrang sichtbar, bei Erwachsenen eher als innere Getriebenheit / Nervosität.
- Impulsivität: Spontane Handlungen oder Entscheidungen, Probleme beim Abwarten und beim Innehalten.
Wobei sich drei Erscheinungsbilder voneinander unterscheiden lassen:
- überwiegend hyperaktiv-impulsiv
- überwiegend unaufmerksam
- kombiniert (sowohl hyperaktiv-impulsiv als auch unaufmerksam)
Hinzu kommen nicht selten Schwierigkeiten in der Gefühlsregulation, Belastungen im Selbstwertgefühl und Probleme im Umgang mit Stress.
Warum wird ADHS manchmal erst spät erkannt?
ADHS zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Während auffällige Unruhe und Impulsivität meist früh bemerkt werden, bleiben unauffälligere Formen – etwa mit vorwiegender Unaufmerksamkeit oder innerer Anspannung – oft übersehen oder werden anderen Ursachen zugeschrieben. Besonders bei Mädchen fällt ADHS seltener auf, da sie meist weniger hyperaktiv wirken und sich stärker an ihr Umfeld anpassen. Diese hohe Anpassungsfähigkeit verdeckt die Symptome häufig bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter – bis die Belastungen in besonderen Lebensphasen deutlich spürbar werden, etwa beim Übergang in Studium, Ausbildung, Beruf oder Familie.
Diagnostik
Wir bieten ADHS-Diagnostik für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Dabei legen wir Wert auf ein strukturiertes und transparentes Vorgehen:
- Anamnesegespräch: Gemeinsames Erfassen der Lebensgeschichte und aktueller Schwierigkeiten.
- Fragebögen und Testverfahren: Ergänzende Selbstauskünfte und, je nach Alter, Einschätzungen von Eltern, Partner*innen oder Lehrkräften.
- Differenzialdiagnostik: Prüfung möglicher anderer Ursachen wie Depression, Angst oder Schlafstörungen.
- Auswertung und Rückmeldung: Besprechung der Ergebnisse, Klärung, ob eine ADHS-Diagnose zutrifft, sowie Empfehlungen für die nächsten Schritte.
Therapie und Unterstützung
Eine gesicherte Diagnose ist die Grundlage für gezielte Unterstützung. In unserer Praxisgemeinschaft entwickeln wir individuelle Behandlungsansätze – je nach Alter, Lebenssituation und persönlichem Bedarf.
- Psychoedukation: Informationen über ADHS und ihre Auswirkungen.
- Psychotherapie: Arbeit an Selbstorganisation, Impulskontrolle, Stressbewältigung und emotionaler Stabilität.
- Coaching und Alltagshilfen: Strukturierung von Schule, Studium oder Beruf, Unterstützung im Familienalltag.
- Zusammenarbeit mit ärztlichen Kolleg*innen: Bei Bedarf Begleitung einer medikamentösen Behandlung.
Unser Ziel ist es, die Stärken von Menschen mit ADHS sichtbar zu machen und Wege zu finden, mit den Herausforderungen im Alltag besser umzugehen.
ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen
ADHS-Diagnostik: Fundierte Grundlage für eine präzise Diagnose
Die diagnostische Abklärung einer ADHS erfolgt anhand international anerkannter Klassifikationssysteme, die verbindliche Kriterien für die Diagnose festlegen. Im Mittelpunkt stehen dabei das ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation und das DSM-V der American Psychiatric Association. Diese Systeme basieren auf einem breiten wissenschaftlichen Konsens und bieten eine solide Basis für die Diagnosestellung.
Ursprünglich wurden die Diagnosekriterien in beiden Klassifikationssystemen für Kinder entwickelt, da ADHS lange Zeit als Störung des Kindesalters betrachtet wurde. Diese kindsspezifische Formulierung der Diagnosekriterien hat sich bis heute erhalten. Doch ADHS betrifft nicht nur Kinder – viele Menschen erleben die Symptome auch im Erwachsenenalter. Um diesen speziellen Anforderungen gerecht zu werden, wurden Tests und Skalen entwickelt, die die typischen Verhaltensmerkmale einer ADHS bei Erwachsenen erfassen. Besonders anerkannt sind die sogenannten „Utah-Kriterien“, die zusätzliche Symptome berücksichtigen, die bei Erwachsenen häufig auftreten. Dazu zählen Schwierigkeiten in der Stimmungsregulation, Probleme mit dem Selbstkonzept, emotionale Überreaktivität, überschießendes Temperament und desorganisiertes Verhalten.
Durch die Anwendung dieser erweiterten Kriterien kann die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen präziser gestellt werden. Dies ermöglicht nicht nur ein besseres Verständnis der individuellen Herausforderungen, sondern bildet auch die Grundlage für eine maßgeschneiderte und effektive Behandlung, die den spezifischen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht wird.
Mehrstufiges Verfahren
Für eine gründliche ADHS-Diagnostik sind mehrere Schritte erforderlich. Dazu gehört zunächst eine ausführliche Anamnese, gefolgt von einem klinischen Interview, um die Symptomatik detailliert zu erfassen.
Ergänzend werden Selbstbeurteilungs-Fragebögen eingesetzt und, wenn möglich, Fremdbeurteilungen durch Angehörige eingeholt.
Darüber hinaus erfolgt eine Differenzialdiagnostik, um andere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen und eine präzise Diagnose zu stellen.
Häufig gestellte Fragen zur ADHS-Diagnostik
Wie lange sind die Wartezeiten für einen Diagnostik-Termin?
Übernehmen gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten?
Übernehmen private Versicherungen / die Beihilfe die Kosten?
Bieten Sie auch ADHS-Testungen für Kinder und Jugendliche an?
Bieten Sie auch ADHS-Testungen für Erwachsene an?
Wird die Diagnose von Weiterbehandler*innen, Behörden, Ämtern anerkannt?
Autismus-Spektrum: Herausforderungen und Stärken
Autismus wird heute als Spektrum verstanden, da sich die Ausprägungen sehr unterschiedlich zeigen können. Manche Menschen erleben vor allem Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und im gegenseitigen Verständnis. Andere haben besondere Interessen, benötigen feste Routinen oder reagieren sehr sensibel auf Sinneseindrücke wie Geräusche, Licht oder Berührung.
Wichtig ist zu betonen: Autismus bedeutet nicht nur Einschränkungen. Viele autistische Menschen verfügen über besondere Stärken – zum Beispiel Genauigkeit, Ausdauer, klares logisches Denken oder Kreativität. Diese Eigenschaften können im Alltag, in Schule, Studium und Beruf ebenso wertvoll sein wie im persönlichen Miteinander.
Diagnostik
Karen Meurer bietet Autismus-Diagnostik bis zum 21. Lebensjahr und Autismus-Therapie bis zum 27. Lebensjahr an. Der Ablauf der Diagnostik umfasst in der Regel:
- Anamnesegespräch – wir besprechen die persönliche Entwicklung, aktuelle Schwierigkeiten und vorhandene Stärken anhand des strukturierten Interviews ADI-R
- Fragebögen und Checklisten zum Wahrnehmungsprofil – um die Kriterien für eine Autismus-Diagnose systematisch zu erfassen, insbesondere auch die Strategien, die Personen im Autismus-Spektrum oft einsetzen, um ihre Symptome zu verbergen oder sich an neurotypische Erwartungen anzupassen (Masking-Verhalten)
- Verhaltensbeobachtung und Selbsteinschätzung - durch klinische Beobachtung und dem Tool ADOS-2 wird untersucht, wie eine Person auf soziale Situationen reagiert, immer unter Berücksichtigung des Energieaufwands für das gezeigte Verhalten und der eigenen Beschreibung hierzu
- Differenzialdiagnostik – um andere Ursachen oder häufige Komorbiditäten (z. B. ADHS, Depressionen, Ängste) zu bestätigen oder auszuschließen
- Rückmeldung und Beratung – wir besprechen die Ergebnisse ausführlich, inkl. Empfehlungen für mögliche nächste Schritte, wie Autismustherapie, Nachteilsausgleich oder Beantragung weiterer Hilfen (z.B. Schulbegleitung, Schwerbehindertenausweis, Pflegegrad)
Die Diagnostik erfolgt gemeinsam, gründlich und respektvoll. Die Person wird als Expert*in für sich selbst gesehen, die eigene Wahrnehmung und Selbstbeschreibung ist mir dabei zentral und wichtiger als einzelne Werte und Ergebnisse der Testverfahren.
Therapie und Unterstützung
Auf Basis der Diagnostik wird gemeinsam ein individueller Behandlungsplan entwickelt. Im Mittelpunkt stehen:
- Psychoedukation: Wissen über Autismus und seine Auswirkungen
- Förderung von Selbstverständnis und Selbstwert
- Unterstützung bei Kommunikation, Alltagsbewältigung und Stressregulation
- Beratung von Familien und Angehörigen
Ziel ist es, Betroffene und ihre Familien zu stärken – durch Verständnis, die Förderung von Stärken und praktikable Alltagsstrategien.